Sicherheitskonzepte

In folgendem haben wir die für uns wichtigsten Punkte zum Thema Sicherheitskonzepte im Bereich BDSM zusammengefasst.

SSC und RACK

SSC und RACK sind zwei der bekanntesten und wohl meist verbreiteten Ansäte zum Thema Sicherheit im BDSM Bereich.

SSC steht für "Safe, Sane, Consensual" und beschreibt, dass man sicherheits‐ und gesundheitsbewusst, sowie einvernehmlich handelt.

RACK steht für "Risk aware consensual kink" und beschreibt, dass man sich den Risiken bewusst ist und alles unter Einvernahme geschieht. Die Risiken werden jedoch bewusst eingegangen.

SSC ist die ältere dieser zwei Philosophien. SSC vertritt den Ansatz, BDSM nur in einer vollkommen sicheren Art und Weise zu leben oder zu spielen. Sie besagt im Grunde, dass man BDSM gemeinsam so auslebt, dass alle beteiligten Personen der Überzeugung sind, dass was man tut sei sicher. Außerdem wird beim SSC der gesunde Menschenverstand benutzt und alles ist natürlich einvernehmlich. Die Annahme solch einer absoluten Sicherheit wird von vielen im BDSM Bereich kritisiert. Diese vertreten den Standpunkt, dass BDSM grundsätzlich, selbst bei höchsten Sicherheitsmassnahmen, stets mit gewissen Risiken verbunden ist. Selbst vermeintlich sichere
Praktiken wie Bondage oder das allein lassen eines Partners bergen Gefahren, die niemals ganz ausgeschlossen, sondern nur minimiert werden können. Selbst bei Sex ohne BDSM‐Bezug kann nie ausgeschlossen werden, dass etwas passiert.

RACK hingegen setzt mehr auf Eigenverantwortung und bedeutet risikobewusste und einvernehmliche Sexualpraktik. Es besagt: "Ja, wir sind uns bewusst, dass das was wir tun nicht ungefährlich oder schlicht unvernünftig ist. Aber so lange wir das wissen und es dennoch wollen, ist es ok."

Ampelschema

Das Ampelschema ist ganz einfach. Es dient dazu um die Befindlichkeiten der beiden Spielpartner ,jedoch vor allem des Bottoms
abzuholen. Kurz gesagt bedeutet Grün «alles gut», Orange bedeutet «nicht mehr» oder «etwas langsamer als gerade» und Rot
bedeutet «Stopp, ich brauch eine Pause» oder auch sofortiger Abbruch des Spielens, womit rot dem Safeword gleichkommt.
Welche Farbe schlussendlich für einen selber was bedeutet soll vor dem Spielen klar festgelegt und kommuniziert werden. Denn ein «rot» bedeutet nicht für jeden dasselbe.

Safeword

Ein Safeword dient der Sicherheit beider Seiten beim Spielen. Es dient dazu, das Spiel jederzeit abbrechen zu können, falls es nicht mehr geht, sei es körperlich, psychisch oder wenn sonst etwas nicht mehr stimmt. Es ist quasi eine Notbremse. Ein Safewort ist enorm wichtig für das Spielen und muss vor Spielbeginn abgemacht werden. Ein Safewort sollte mit Bedacht gewählt werden und sollte etwas sein, dass im Spielkontext nicht verwendet wird und ausserdem ein kurzes Wort ist. So kann
es gut ausgesprochen und von Dom erkannt werden. (vgl. Gentledom)

Es gibt aber auch Situationen in denen Sub gar nicht in der Lage ist etwas zu sagen/zu reden, weil er/sie z. B. geknebelt ist. In solchen Fällen muss ein non‐verbales Safewort vereinbart werden. Dies können ein bestimmtes Klopfzeichen, Fingerschnipsen, kräftiges Nicken oder auch eine Melodie summen. Man kann Sub auch etwas in die Hand gegeben werden, was fallen gelassen wird anstelle des Safeworts und ein akkustisch hörbares Signal gibt, wenn Sub nicht reden kann. (vgl. Gentledom)

Safewords haben aber auch einen kritischen Aspekt, denn sie können Sicherheit suggerieren, welche nicht vorhanden ist. (vgl. Gentledom) Es kann – besonders wenn man neu ist im BDSM und die eigenen Grenzen noch nicht ganz kennt ‐ passieren, dass man sich erst dann bewusst wird wo eine Grenze liegt, wenn diese bereits überschritten wurde. In solch einer Situation ist die Kommunikation sehr wichtig. Sprecht es an, wenn etwas für euch nicht stimmt, so könnt ihr gemeinsam nach einer für euch passenden Lösung suchen und bestimmen ob das Safeword überhaupt das richtige für euch ist. Safewörter können aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommen, egal ob mit oder ohne Safeword gespielt wird, irgendein Sicherheitsnetz muss man immer haben.

Auf Spielparties wird international das Wort “Mayday” als anerkanntes Safeword verwendet. (vgl. Gentledom) Hält sich der Spielpartner nicht an die vereinbarten Regeln, so kann man sich mit dem Ruf des Wortes «Mayday» Hilfe von aussen holen, d. h. Hilfe durch aussen herumstehende Menschen, welche dann in das Spiel eingreifen und dir helfen. (vgl. Gentledom) Beachte: die ist die einzige Ausnahme in welcher in ein fremdes Spiel eingegriffen wird.

Aftercare 

Mit Aftercare ist nie Nachsorge gemeint, das bedeutet, dass alle, die im Spielbeteiligt sind, nach dem Spielen umsorgt werden. Die Dauer ist dabei sehr individuell und kann nur wenige Minuten oder sogar mehrere Tage dauern, dies hängt von verschiedenen Faktoren, war eine Session sehr intensiv brauchen beide danach womöglich intensivere Umsorgung. Weit verbreitet ist dabei Kuscheln, Nähe geben, eincremen oder auch einfach miteinander über sie Session reden. Andere brauchen auch
Abstand um die eigenen Gedanken zu sammeln, also genau das Gegenteil. BDSM kann sehr tiefe Gefühle hervorrufen, welche eine starke Bindung zwischen den Partnern bilden mit sehr schönen Emotionen, welche aber auch gefährlich sein können. Auch wenn man nach oder während, einer Session auf Wolke sieben schwebt, kann man trotzdem abstürzen. Diese Emotionen finden sich in
dem Begriff Sub‐ oder Domspace wieder. Wenn das passiert, braucht man jemanden der einen Auffangen kann. Deshalb ist es enorm wichtig für einander da zu sein nach dem Spielen, egal was man macht, wichtig ist, dass man dabei präsent ist und den gegenüber zeigt, dass man für sie/ihn da ist. Je mehr Sinne man dabei anspricht, desto schneller dringt man zur anderen Person durch und kann diese stabilisieren. Besonders als dominanter Part sollte man sich dem bewusst sein. (vgl. Gentledom)

Wenn einmal bei einer Session etwas schief gegangen ist, besprecht das sofort mit eurem Gegenüber, mit welchem ihr gespielt habt. Es können auch Doms in ein «Loch» fallen, seit euch also nicht zu schade dies anzusprechen, falls es passieren sollte. Arbeitet die Session zusammen nochmals auf und sprecht an, was nicht gut war. So könnt ihr und euer Gegenüber aus der Situation lernen und daran wachsen. Falls ihr danach immer noch Redebedarf habt gibt es einige Anlaufstellen. Meldet euch z. B. bei der IG BDSM oder via der Website Ropehelp. Es gibt auch weitere Angbeote wie z. B. die Joyclubgruppe Maydy‐Bdsm oder der dazu gehörigen Hilfehotline +491765741087 welche kostenlos ist und jeweils jeden Montag von 19.00Uhr bis 23.00 Uhr besetzt ist. Ihr könnt solche Situationen auch am Stammtisch oder mit euren Freunden besprechen.

Beziehungskonzepte

Im BDSM gibt es viele verschiedenen Beziehungsformen, manchmal sind sie nicht einfach voneinander zu unterscheiden, einige überschneiden sich sogar, der Übergang ist fliessend. Im Folgenden sind sie aufgelistet und kurz erklärt.

EPE

«Erotic Power Exchange» bedeutet, dass die gesamte Entscheidungsgewalt über sexuelle Dinge vom devoten auf den dominanten Part übertragen wird. Wo Erotik, oder korrekter ausgedrückt die Sexualität anfängt und endet, ist hier nicht immer klar zu sehen. Meist bedeutet EPE einfach, dass der dominante Part den Körper des devoten Parts zu seinem eigenen Lustgewinn gebrauchen kann, wann und wie er möchte. (vgl. Gentledom)

TPE

TPE steht für «Total Power Exchange». Die gesamte Entscheidungsmacht über alle Lebensbereiche des devoten Parts liegt bei dieser Spielart in den Händen des dominanten Parts. Uneinig sind sich TPEler selbst in der Frage ob, und wenn ja wo die Grenzen von TPE liegen. Manche nehmen es wörtlich und meinen, der dominante Part entscheide sogar über Leben und Tod. Andere meinen es müsse dem geltenden Recht entsprechen und wieder andere TPEler finden, dass nur das, was moralisch zu rechtfertigen ist, dem Dom erlaubt sei. Letztere Auffassung hat das Problem, sehr schwammige Grenzen zu haben, denn Moral ist keine verlässliche Grenze. So hat jeder andere Sichtweisen und damit auch andere Moralvorstellungen. (vgl. Gentledom)

24/7

Jeder nutzt diesen Begriff anders, es gibt keine allgemeingültige Definition. Jede BDSM ‐Beziehung die durchgängig, also an allen sieben Tagen einer Woche und 24 Stunden eines jeden Tages ausgeübt wird, ist eine 24/7 Beziehung. Der Begriff sollte daher am besten mit der passenden Spezifikation genutzt werden (z.B. 24/7 EPE). (vgl. Gentledom)

CIS

Einigen war die Auffassung vieler TPEler zu lasch, zudem kann nach vielen TPElern auch mit einem Safeword gespielt werden wo der devote Part den dominanten Part in letzter Konsequenz verlassen darf. So entwickelte sich CIS (Complete Irrevocable Submission), eine Beziehungsform, in der der devote Part dem dominanten für immer die vollkommene Macht über sich überträgt (irreversibel und eingeschlossen darin sind Finanzen, Familie und auch das Leben). CIS ist die extremste aller möglichen Unterordnungen und wird nur von wenigen der Szene erstrebt oder gar ausgelebt. (vgl. Gentledom)

CNC

CNC bedeutet «Consensual Non‐Consent», das heisst der devote Part willigt ein, dass er in Zukunft keinerlei Rechte mehr hat. Die gesamte Macht liegt in der Hand des dominanten Parts und dieser muss keinerlei Rücksicht mehr auf den Willen des devoten Parts nehmen. CNC ist in der Schweiz und so gut wie in allen Ländern dieser Welt, per se illegal, sobald der devote Part eine Handlung nicht mehr wollen würde. (vgl. Gentledom)

DEBRIS

Von den CISlern spaltet sich wiederum die DEBRIS Fraktion ab. Kurz zusammengefasst sehen diese nur die rechtlichen Grenzen als Grenzen der Führung an. Handlungen die gesetzlich verboten sind lehnen sie ab. Die Verwaltung der Finanzen liegt zum Beispiel beim dominanten Part, auch über soziale Kontakte bestimmt er, er kann aber nicht über Leben und Tod des devoten Parts entscheiden. Ebenso darf der devote Part den dominanten Part verlassen, da eine Einwilligung in eine solche Beziehungsform rechtlich jederzeit wieder aufgelöst werden können muss. Im Rahmen des rechtlich zulässigen ist es also eine „Alles oder Nichts Situation". Der devote Part hat alles zu ertragen, außer er beendet die Beziehung. Ob ein daraus resultierender extremer psychischer Druck evtl. zu einer Strafbarkeit von DEBRIS Handlungen führt (Stichwort Nötigung in einem Abhängigkeitsverhältnis), wäre eine interessante Frage für einen Strafrechtler. Als Untergruppe einer Splittergruppe kommt dieser Fraktion jedoch keine allzu große Bedeutung zu. Manche Lebens‐ und Spielformen sind eng miteinander verknüpft So können z.B. CIS und DEBRIS eben nur als CNC umgesetzt werden, andere können sich frei miteinander verbinden. Auch gibt es unterschiedliche Auffassungen, was nun konkret unter einem Begriff zu verstehen ist. Gerade zu 24/7 und TPE gibt es sehr unterschiedliche Auslegungen und Ansichten. (vgl. Gentledom)

Zusatz: Polybeziehungen

In sogenannten Polyamorien oder polysexuellen Partnerschaften, ist es möglich mehrere Personen zu lieben oder mit mehreren Personen eine sexuelle Beziehung zu pflegen. Im BDSM sind solche Beziehungsformen nicht unüblich. Beziehungen solcher Art bringen Vielfalt und eine Abwechslung ins Leben. Mit Person A kann man z. B. andere Dinge machen als mit Person B. Auch Spielbeziehungen mit einer Hauptperson und einem oder mehreren anderen Personen können Poly‐Aspekte beinhalten, müssen aber nicht. Eiversucht ist eine der grössten Gefahren für Polybeziehungen, sie kann aber auch bis zu einem gewissen Mass das Spiel oder die Beziehung anregen. (Btay Alpha Sub ) Auch sollte man hier, besonders wenn es kein geschlossener Kreislauf ist sehr auf die Safersex Regeln achten und sie einhalten.